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Das Stocherkahnrennen
11.06.2009


Der Stocherkahn ...

Stocherkahntour... ist aus Tübingen nicht mehr wegzudenken. Er gehört zur Stadt und zum Neckar wie die Universität und die Wissenschaft. Seine Form gleicht einem schmalen, bis zu zwölf Meter in die Länge gezogenen Holzboot, ähnlich einer Gondel, an deren Heck der Stocherer aufrecht stehend mit einer fast sieben Meter langen Stange sich vom Grund des Flusses abstößt und so die Richtung und Geschwindigkeit bestimmt. Stocherkahnfahren ist eine schwäbisch-gemütliche Angelegenheit und sehr kommunikativ. Die Mitfahrenden sitzen sich entlang der Längsseiten des Kahnes gegenüber und lehnen sich entspannt gegen die hohen Rückenbretter zurück. Man gleitet gemächlich durch die üppig-grüne Ufervegetation, „schwätzt“ miteinander, bewundert dabei die romantische Kulisse der Tübinger Neckarfront und beobachtet den Stocherer bei seiner Arbeit. Dem Betrachter auf der Neckarbrücke bietet sich beim Anblick der ruhig dahingleitenden Stocherkähne auf dem Neckar stets eine beschaulich-dekorative Szene. Schlacht der Kähne

Die heiße Schlacht der langen Kähne

Nur einmal im Jahr verwandelt sich dieses besinnliche Bild in sein krasses Gegenteil. Über vierzig Kähne mit je acht Personen besetzt drängeln sich dann dicht an dicht am Hirschauer Steg (auf Höhe der Eisenbahnbrücke), um auf den Startschuß zu warten. Das Stocherkahnrennen beginnt, und damit eines der lustigsten und wildesten Spektakel im Tübinger Veranstaltungskalender.

Eher geht ein Stocherkahn durchs Nadelöhr ...

HawaiiTeilnehmen kann jeder, der in Tübingen einen Stocherkahn besitzt und diesen beim Liegenschaftsamt ordnungsgemäß angemeldet hat. Wer Zeit hat zuzuschauen, reserviert sich frühzeitig einen der Logenplätze auf der Neckarbrücke und auf der Platanenallee - selbstverständlich kostenlos -, um von dem gut einstündigen Rennen so viel wie möglich zu sehen. Denn bis zur zwei Kilometer entfernten Ammertalbahnbrücke, dem Zieleinlauf, sind einige Hindernisse und Schikanen zu überwinden, die seit Beginn des Rennens im Jahr 1956 zu den unumstößlichen Regeln gehören. Da ist das "Nadelöhr", die heikle Engstelle unter der Neckarbrücke, die alle Kähne unter dem Gejohle Tausender sensationslustiger Zuschauer als Achterschleife passieren müssen. Hier kommt es zu den mit freudiger Spannung erwarteten Stauungen und Kollisionen. Stocherstangen krachen aufeinander, unentwirrbare Bootsknäuele entstehen, die Besatzung paddelt mit bloßen Armen wie um ihr Leben, während andere bereits wasserschöpfend den Kahn vor dem endgültigen Absaufen zu retten versuchen. "Die Stange bleibt am Mann!" heisst die Devise. Es wird geschrien, gekämpft und gelacht. Versenkt! Der Wanderpokal für den Sieger und das Faß Bier aus dem Etat des städtischen Kulturamtes scheint in unerreichbare Ferne zu rücken.

Lebertran für die VerliererDas ist der Moment, in dem auch die Gladiatoren-, die Ureinwohner-, Schlumpf- oder Jägerkostüme der Stocherkahnbesatzungen endgültig in Fetzen gehen. Aber die einfallsreichsten Kostüme und Masken werden mit einem Spanferkel belohnt. Die Verlierer und Havaristen trifft es härter: Sie müssen vor aller Öffentlichkeit unter dem frenetischen Beifall der Zuschauer einen halben Liter Lebertran trinken - einer der Höhepunkte des Festes, der den Verlierer zum heimlichen Sieger macht. Und während die Ersten das Freibier für den Festabend besorgen, müssen sich die Letzten schon einmal Gedanken über die Ausrichtung des nächsten Stocherkahnrennens machen. So will es die Regel. Und so bleibt sie.

Weitere Informationen und Service:
Verkehrsverein Tübingen
An der Neckarbrücke 1 • 72072 Tübingen
Tel. 07071/ 91 36 0 • Fax. 07071/ 3 50 70
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